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| Mal sehen, was ich so hab... |
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ACHTUNG: Ein Nachtrag im Oktober 2006
Die folgende Geschichte ist frei erfunden. Vorkommende Personen, die real existieren sollten, sind hier in einen 100%ig fiktiven Kontext gesetzt. Falls die Handlung Überschneidungen mit der Realität haben sollte, so ist dies nicht mit Absicht so geschrieben worden. Die Autorin.
Tag, jetzt auch von mir eine spannende Fortsetzungsgeschichte
Viel Spaß.
Mein Gott, jetzt war alles nur noch richtig verschwommen. Farben, Licht, wabernde Geräusche. Er war betrunken. Oder stoned. Oder eben beides, auf jeden Fall brauchte er Schlaf und wusste ihn nicht zu bekommen.
„Mann, du siehst scheiße aus, verdammt.“ Sagte irgend jemand. Zu ihm? Er versuchte aufzublicken, zu erkennen, wer das denn war. Zum Teufel, sein Bruder?
„Ja, danke sehr. Ich- ich hab auch echt schon bessere Tage ge...“ Hatte er das jetzt ausgesprochen oder nur gedacht?
„Komm, geh nach Hause, Junge. Ich bin ja nicht gerne dein Aufpasser, aber du bist fertig, echt fertig. Ich wette, du bist krank.“
Er erhob sich schwankend, wollte bedrohlich wirken, aber es war nur eine Karikatur eines betrunkenen Raufbolds: „Was weißt du schon, Sean! Du weißt einen verschissenen Dreck, Mann!“
Sein Bruder war selber nicht mehr nüchtern, aber er hatte noch genug Vernunft, einem Streit aus dem Weg zu gehen: „Ich mein ja nur, Howie. Ich mein ja nur. Musst du natürlich selber wissen.“
Jetzt wurmte es ihn, dass sein kleiner Bruder nachgegeben hatte. Ihm kam seine Mutter ins Gedächtnis, wie sie zu ihnen sprach, als sie noch kleiner waren: „Der Klügere gibt nach.“ Und jetzt war Sean der Klügere.
„Ich gehe ja nach Hause. Aber nicht, weil du es gesagt hast!“ er versuchte, seinen Bruder mit einem bösen Blick zu treffen, aber es war einfach zwecklos, er war überall und nirgends.
„Schon gut.“ Antwortete Sean und dann nach einer Weile, als ob er mit sich selber noch um diesen Zusatz habe ringen müssen: „Pass auf dich auf, Mann.“
Tatsächlich traf Howie dieser Zusatz hart. Er war sieben Jahre älter, als Sean. Er war derjenige, der das immer zu seinem kleinen Bruder gesagt hatte, als dieser gerade angefangen hatte, sein eigenes Leben zu führen: „Pass auf dich auf, Mann. Im einen Augenblick scheint alles bestens zu laufen, aber du musst die Sache durchblicken, okay? Du darfst dich nicht blenden lassen, auch wenn es noch so rosig aussieht. Denk immer daran, das kann ganz schnell gehen und dann musst du vorbereitet sein.“
Und jetzt? War er vorbereitet gewesen? Seine halbe Band war ihm weg gelaufen, sein zweites Album war anscheinend unverkäuflicher Dreck, seine Plattenfirma hatte ihn geschmissen. Hatte es nicht so rosig gewirkt? Seine Platte. Los Angeles, ein Superproduzent, Streicher, Bläser, Background Sängerinnen... Und die Kritiker hatten ihn so gelobt. Aber wie war das gleich? Kritiker kaufen keine Platten. Und der Rest der Welt hatte entschieden, dass die Musik wohl einfach nicht ganz up to date war. Aber er hatte es nicht kommen sehen. Alle hatten, nur er nicht. Steve war abgehauen, dann Luke- „Weißt du, was du mich mal kannst, Payne? Ich wette, du weißt es!“- und Vera...
Am nächsten Tag wurde er vom Schrillen des Telefons geweckt. Er schreckte zusammen, stöhnte schmerzvoll und versuchte, sich zu orientieren. Er war in seinem eigenen Bett. Das hatte er geschafft. Und jetzt, das Telefon. Am liebsten hätte er es aus gesteckert, aber er hätte das Regal weg schieben müssen, um an den Stecker zu kommen, also nahm er statt dessen ab:
„Ja. Wer...?“ Scheiße, hatte er einen Kater.
„Howie?“
„Ja.“
„Hallo, hier ist Dean.“ Er konnte an der zögerlichen Stimmer erkennen, dass er seinen Bassisten anscheinend schwer verunsichert hatte und versuchte, etwas aufgeweckter zu klingen.
„Hallo. Hallo, Dean, mein Alter. Äh, wie läuft’s denn so?“
„Ja, weißt du. Wir haben gedacht, dass du vielleicht noch kommen wolltest. Wir sind im Virgin und...“
Oh Verdammt, der Akustik Gig im Virgin. Wie spät war es eigentlich?
„Ach so, ja, klar, warte...“ Schon halb vier? „Ich bin sofort da- ich meine, sag den Leuten, ich steh ihm Stau und komme etwas später, tust du das?“
„Howie, was ist los?“ Deans Tonfall schwang zwischen genervt und besorgt.
„Ich... Keine zeit, jetzt. Bin in ner knappen Stunde oder so, da. Sag den Typen von Virgin, wir hängen ne Stunde Autogramme hinten dran.“
„Paul muss um sechs raus. Das hat er dir vorgestern noch haarklein erklärt. Hochzeit. Seine Schwester.“ Erklärte Dean.
„Der kann ja, von mir aus gehen. Dann bleiben wir noch länger.“ der Bassist nervte ihn langsam.
Dean seufzte: „Ne knappe Stunde. Mach hinne.
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Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von The Subterranean am 10.10.2006 22:22.
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09.09.2005 13:55 |
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Danke schön. Hier noch ein bisschen, schreibe einfach mal so weiter.
Howie kämpfte sich aus dem Bett. Oh, toll. Noch die stinkenden Klamotten vom Vortag an. Das hatte er also nicht mehr geschafft. Er tastete sich vorsichtig durch seine Wohnung, bemerkte beiläufig, dass wohl im Verlaufe der letzten Nacht... oder der letzten Woche, darauf hatte er eigentlich gar nicht mehr geachtet, auch sein letzter Fisch dem Hunger erlegen war und nun mit dem silbrigen Bauch nach oben an der Oberfläche des Aquariums trieb. Darauf konnte er jetzt aber weiß Gott keine Rücksicht nehmen. Vielmehr musste er schnellstmöglich aus den alten Sachen raus und in einigermaßen frische rein.
Nachdem er sich eine erste Zigarette zum Start in den Tag angemacht hatte, ließ er seinen Blick durch sein Zimmer schweifen. In den Kleiderschrank zu gucken wäre eh überflüssig gewesen, da sich darin eigentlich außer seinem Konfirmationsanzug nichts mehr befand, was er hätte anziehen können- und auch dieser müsste ihm mittlerweile doch ein bisschen knapp sein. Der Rest seiner Kleidung lag in knuddeligen Haufen auf dem Boden verstreut, mehr oder eher weniger sauber. Mit spitzen Fingern fischte er ein weißes T-Shirt aus dem Wäschewust, das seiner Meinung nach noch nicht mehr als drei oder vier Mal getragen worden war. Es roch ein bisschen nach kaltem Rauch, aber das tat sowieso alles, was er besaß und es hatte einen Kaffeefleck links auf der Vorderseite in Höhe des Rippenbogens. Er würde also eine Jacke brauchen. Der Parka würde zu warm werden, die Lederjacvke ebenfalls, immerhin würden sie drinnen spielen. Sein Jacket! Aber das war ja noch bei Vera... Er müsste mal vorbei schneien und fragen, ob er es wieder haben könnte. Und wie es ihr ginge und ob sie nicht noch mal über alles reden könnten und ob sie dabei nicht diese unglaublichen Stiefel mit den dünnen Absätzen tragen könnte und sonst nichts... Ach, verflucht! Jetzt war er keinen Schritt weiter. Also schön, dann müsste er eben eine andere Lösung finden.
Exakt 58 Minuten später kam er durch den Dienstboteneingang des Gebäudes in den Virgin records Laden geflogen. In einer Hand hatte er den Gitarrenkoffer mit seiner heiß geliebten Martin. In der anderen einen Becher Kaffee von McDonald’s- da war die Schlange am kürzesten gewesen.
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09.09.2005 17:22 |
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Die Jungs von seiner Band, Dean, Paul und Graeme, saßen auf Klappstühlen im Korridor vor dem hinteren Lager und sahen reichlich angepisst aus. Noch angepisster wirkte allerdings der kleine verpickelte Typ mit dem IRON MAIDEN T-Shirt, der jetzt auf ihn zu gewuselt kam und natürlich sofort die Klappe aufriss:
„Howie, endlich. Mann, die Leute da draußen fangen gleich schon einen Aufstand an! Wir können so Veranstaltungen nicht ewig raus schieben. Wo zum Teufel kommst du denn her, dass du um diese Zeit in der Innenstadt eine Stunde lang im Stau stehst?“
Der Kerl machte einen Heidenaufstand. Was war das für einer? Howie stellte die Gitarre ab und entschloss sich, sein freundlichstes Selbst zu sein:
„Hallo. Wir kennen uns glaub ich noch nicht. Es tut mir wirklich wahnsinnig leid, dass das hier alles so gedauert hat, aber ich bin von außerhalb gekommen, weil- naja, meine, äh, Schwester hat geheiratet und da musste ich...“
„Das ist ja jetzt voll unwichtig, also bitte, macht mal, dass ihr hier in die Pötte kommt. Wenn ihr in zehn Minuten nicht auf der Bühne steht, dann krieg ich mega Stress und dann muss ich gucken, wo ich eure Kohle her nehme!“ ereiferte sich Mr. Iron Maiden und wuselte genauso schnell, wie er gekommen war auch wieder von dannen.
„Alles klar, Jungs, tut mir saumäßig leid. Kommt nicht wieder vor, aber ich war gestern spät in der Kiste und mein Wecker hat nicht geklingelt...“ wandte sich Howie an seine Band, als der Mann von Virgin außer Reichweite zu sein schien.
„Mann, du hast mir nen tierischen Schrecken eingejagt. Ich hab gedacht, du könntest echt nicht kommen. So wie du eben am Telefon geklungen hast.“ Meinte Dean.
„Ich bin ja jetzt hier. Wird vielleicht nicht einer unserer glorreichsten Auftritte, aber...“
„Sag mal, was hast du denn da an?“ wurde Howie von Paul unterbrochen.
„Was?“ die Frage brachte ihn aus dem Konzept.
„Der Fummel da, dieses Samt Dingen.“ Konkretisierte der Gitarrist der Band mit halb amüsiertem, halb angewidertem Gesichtsausdruck.
„Ach, das... Ähm, das ist das Sakko zu meinem Konfirmationsanzug. Das... ich hab gedacht, dass das vielleicht kultig wäre.“ murmelte Howie und sah nun doch etwas beschämt an sich herunter.
„Sitzt ein bisschen spack, würd ich sagen.“ Witzelte Paul.
„Jaja, schon gut. Lasst uns kurz über die Setlist sprechen.“ Unterbrach Howie genervt „Wir spielen sechs Stücke. Lass sagen, wir machen vier von der neuen und zwei von der alten Platte. Keine Ahnung. Sag was!“ gab er das Wort an Dean weiter.
„Ich? Wieso...“ Dean sah ihn gehetzt an.
„Dann nicht. Also, wir spielen „Turn the world around“, „River rolls“, „Bluer than blue“- äh- was weiß ich. Schreibt einer mit?“ Howie drehte sich um.
„Hm-hm.“ Graeme stand hinter ihm und schrieb mit Kuli auf einen Bierdeckel.
„Also, dann noch „When the night falls in“, „I need you“ und- wie viele jetzt?“
„Fünf.“ Gab Graeme bekannt.
„Und... die Single.“ Schloss Howie.
„Welche Single? „Do it like you like“?“ fragte Paul skeptisch.
„Was dagegen?“ schnappte Howie. Der Tag war eh schon gelaufen, jetzt machte es auch nichts mehr, wenn er sich noch mit Paul anlegen würde.
„Wir können das Ding im Leben nicht akustisch rüber bringen. Das haben wir nicht geprobt.“ Erklärte Paul gelassen.
„Dann werden wir es halt jetzt gleich das erste Mal proben. Die Leute wollen das Ding hören. Herrgott, hab ich es hier mit Anfängern zu tun. Los, lasst uns stimmen, dann ab nach draußen. Virgin macht mich wahrscheinlich eh schon lang. Ach ja. Und danach hab ich versprochen, dass wir zum Trost für die Verspätung noch ein Stündchen zum Autogramme schreiben bleiben.“ Howie holte seine Martin aus dem Koffer und machte sich noch eine Zigarette an.
„Wir haben schon gestimmt.“ sagte Dean kleinlaut.
„Schön, dann gebt mir mal ein hohes E.“ er sah in die Runde, als ob nichts gewesen sei.
Die anderen Musiker packten sich träge ihre Instrumente, Graeme hatte in Ermangelung eines Schlagzeugs einen Satz Perkussions Utensilien dabei. Der gute Graeme. Gab keine Widerworte, spurte aufs Wort und wollte sich auf keinen Fall mit irgendwem anlegen. In jeder Hinsicht eine Verbesserung im Vergleich zu seinem Vorgänger, Steve. Abgesehen vielleicht vom Musikalischen. Howie seufzte, als er seine Gitarre nach der von Paul stimmte. Und irgendwie war es mit Stevie auch lustiger gewesen...
Wenig später kam der Iron Maiden Mann wieder und scheuchte sie auf die Bühne, wobei er eine Liste von Regeln runter betete: „Also bitte hier drin nicht rauchen oder, noch schlimmer, kiffen. Kein Alk auf der Bühne, keine Parolen oder Schimpfwörter. Ihr dürft für euer eigenes Album Werbung machen, aber nicht für irgend jemand anderes. Auf keinen Fall den Namen irgend eines anderen Labels oder Plattenladens nennen und nicht das Publikum beleidigen.“
„Hey, wir sind doch keine von deinen superknochenharten Hard Rock Kapellen, Junge.“ Howie grinste. Jetzt stand er vor der Bühne, jetzt fühlte er sich wohl. Iron Maiden Mann nickte, wenn gleich er sich mitsamt seines Musikgeschmacks durch den Kakao gezogen fühlte. Er enterte vor der Band die Bühne und kündigte sie für Howies Geschmack etwas schmucklos an. Anschließend betraten „The Stands“ um Howie Payne die kleine Promo Bühne des Plattenladens.
„Hallo, ihr Saftsäcke. Wir sind die Stands aus der Gegend hier, wir lieben die REDS, wir wählen Labour. Kauft die neue Platte von uns und die von den Zutons. Aber kauft sie nicht hier, sondern bei HMV. So, hat jemand ein Bier oder nen Fag? Ist so schweinelangweilig hier oben!“ begrüßte Howie das Publikum und grinste in Richtung des Pickeligen Virgin Verkäufers. Dieser verzog keine Miene, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand in den Korridoren des Lagers.
Die Band startete mit der ersten Nummer und das Publikum schien zumindest nicht allzu empört, ob der dreiviertelstündigen Verspätung, mit der die Band die Bühne betreten hatte.
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09.09.2005 19:32 |
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Das ist ja klasse. Ich schreibe gleich viel lieber, wenn ich Feedback hab.
Es war bereits viertel nach fünf, als die Band die Bühne verließ. Bis auf „Do it like you like“ hatte alles geklappt. Howie wusste nicht, wie er das bewerten sollte. Einerseits hatte das Publikum die etwas notdürftig vorgetragene Nummer ganz witzig gefunden, andererseits ging es ihm gegen den Strich, dass Paul die ganze Zeit so hämisch grinsend zu ihm hinüber geschielt hatte, als sie die letzte Single mehr oder weniger zu ihrer eigenen Schauerversion verkommen hatten lassen. Ohne den treibenden Bass und das pumpende Schlagzeug war das Ding ein Witz. Wie hätte er da noch mit irgend einer Glaubhaftigkeit den anrüchigen Text über dieses selbstbewusste, Domina artige Mädchen rüber bringen sollen? Domina... da fielen ihm gleich wieder Veras Stiefel ein. Howie packte seine Gitarre ein und gab sich für einen Augenblick den Tagträumen über seine Ex Freundin hin. Sie war ein außergewöhnlich hübsches Mädchen, Modell für ein englische Versandhaus, knapp einen halben Kopf kleiner als er, es sei denn natürlich mit Stiefeln... und diese atemberaubenden Augen, die glatten schwarzen Haare, diese perfekt geformten Br...
„Howie, du weißt, dass ich gleich weg muss. Also, wenn wir erst um halb sechs mit der Autogrammgeberei anfangen, dann kann ich nicht bis zum Ende bleiben!“ riss Paul ihn aus seinen Schwelgereien.
„Ich weiß, Paul. Mach das bitte mit dem Typen von Virgin aus. Ich kann ja nur sagen, dass es mir schnurz egal ist, ob du jetzt gehst oder wann auch immer.“ Entgegnete Howie gereizt. Mit Paul hatte er es selten leicht, aber heute ging er ihm ganz besonders auf den Geist. Er war doch erst seit einigen Monaten dabei und spielte sich schon auf, als sei er ein gleichberechtigtes Bandmitglied. So á la John Lennon/ Paul McCartney: Howie Payne/ Paul Molloy. Wie kam der eigentlich dazu?
„Ach, na das ist super.“ Gab Paul giftig zurück „Übrigens wäre es mal nett gewesen, wenn von dir so’ne Art: ,Dafür, dass ich euch zuerst ganz schön in die Scheiße geritten habe, habt ihr euch ziemlich professionell verhalten und einen guten Gig abgeliefert. Danke!‘ gekommen wäre. Bist du auf die Idee schon mal gekommen?“
„Paul, fahr bitte zu deiner Schwester, zu ihrer Hochzeit. Iss ein Stück Kuchen für mich, richte alles Liebe aus, aber nerv mich nicht. Ich bin ja schließlich noch aufgetaucht.“ Versetzte Howie und richtete sich aus der Hocke vorsichtshalber auf, um mit voller Größe zu imponieren. Paul war zwar gleich groß, aber nur ein Hemd von einem Mann und in Liverpool war es ungemein wichtig, körperliche Präsenz zu zeigen.
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09.09.2005 22:54 |
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Gerade, als Paul den Schwanz ein kniff, sich mit resigniertem Kopfschütteln trollte und Howie sich noch mal in die schlanken Arme seiner Verflossenen zurück träumen wollte, vernahm er eine bekannte Stimme hinter sich:
„Na. Na. Wenn da heute Morgen nicht jemand mit dem falschen Fuß aus dem Bett getreten ist... Wenn es denn überhaupt Morgen war und nicht später Nachmittag.“
Einen Seufzer der Frustration unterdrückend drehte Howie sich um und sah in das Gesicht seines ehemaligen Schlagzeugers. Stevie hatte sich nicht verändert. Mittelgroß, gedrungen, kräftig- der typische Rugbyspieler. Er trug immer noch diesen seltsamen retromäßig wirkenden Vollbart, der an ihm so aussah, als ob ein Zwölfjähriger sich zu Karneval mit einem unechten Bart verkleidet hätte. Noch dazu hatte er rotbraune Haare. Wenn man ihn irgendwo, fernab der Heimat in irgendeiner fremden Kultur ausgesetzt hätte, hätte sofort jeder mit dem Finger auf ihm gezeigt und „Engländer! Engländer!“ gerufen. Er erfüllte so ziemlich jedes Hooligan Klischee- bishin zum Verhalten: frech, aufmüpfig, gewaltbereit und trinkfest. Allerdings mit einer Ausnahme: Er war cleverer als die meisten Leute die Howie kannte. Vor einem knappen halben Jahr hatte er die Band verlassen, einfach so, mitten in Amerika auf Tournee und ohne Angaben von Gründen. Howie hatte sich damals den Arsch aufgerissen, zwischen Tür und Angel einen Ersatz her zu zaubern, der schnellstmöglich beide Alben erlernen hätte können, denn- ja!- kurz zuvor hatte Stevie noch brav das zweite Album der Band mit eingespielt. Bis zu dem Tag, an dem er die Stands verlassen hatte, war Stevie immer einer von Howies besten Freunden gewesen. Meistens sein Zimmerpartner in den billigen Absteigen, in denen sie auf Tournee hatten nächtigen müssen. Als er die Band, allen voran Howie, aber dermaßen hatte hängen lassen, war es zwischen ihnen nur noch ein einzige Krampf. Gezwungene Höflichkeit, gespieltes Interesse, geheuchelte Freundschaft.
„Hallo Stevie, du Hurensohn!“ begrüßte Howie ihn lachend. Er wusste selber, dass das so mechanisch klang, wie es gemeint war, als er den jungen Schlagzeuger übertrieben markig und kumpelhaft umarmte.
„War ne gute Sache heute, im Virgin. Hab euch von der Tür aus gesehen. Paul war echt ne gute Wahl.“ Erklärte Stevie und bekam das zu Howies Unzufriedenheit mit dem lockeren Ton irgendwie einfach besser hin.
„Tja, war schon schwierig, einen passenden Ersatz für Luke zu finden.“ Bestätigte Howie. Luke war der Gitarrist der Gruppe gewesen und war vier Monate nach Stevie ausgestiegen, weil es ihm einfach keinen Spaß mehr gemacht hatte. Wenigstens hatte Luke den Anstand, mit seinem Ausstieg zu warten, bis wir schon einen passenden Ersatz für ihn gefunden hatten. lag Howie auf der Zunge, aber er schluckte es runter und fragte statt dessen: „Wie geht es denn sonst so?“
„Bestens. Bestens, Mann. Wir haben jetzt eine ganze Menge Auftritte in der Umgebung. Und ab November geht es auf UK Tournee, also London, Manchester, Birmy, Glassy, Blacky und so...“ antwortete Steve.
Howie brauchte einen kurzen Moment, um zu begreifen, dass „Birmy“, „Glassy“ und „Blacky“ wohl Birmingham, Glasgow und Blackpool sein mussten. Noch so eine Abart von Steve, diese ewige „Y“-Abkürzerei. „Verstehe.“ Howie nickte „Und wer genau sind „WIR“? Du bist mit ner neuen Band unterwegs?“
„Ach, das weißt du noch gar nicht? Ja, klar. Wir spielen jetzt bei den Cuckolds. Klasse Sache. Das sind sehr übelst geile Mucker. Du müsstest eigentlich den Bassisten noch kennen. Johnny. Der hat damals mit...“
„Jaja.“ Unterbrach Howie „Ich kenne John. Natürlich. Und mit denen gehst du jetzt also auf Tournee.“
Steve nickte: „Ich. Und Lukey auch.“
Das brauchte einen Augenblick, um zu sacken. Howie ließ sich langsam auf einen der Klappstühle niedersinken. Als er merkte, wie ergeben diese Geste gewirkt haben musste, straffte er gleich seinen Oberkörper, setzte sich aufrecht hin und räusperte sich: „Soso. Dann, also, dann spielen Luke und du, ihr spielt wieder zusammen. Das ist ja sehr toll für euch beide. Ihr hört also bei mir auf, um dann wieder zusammen bei den Cuckolds zu spielen. Sehr... äh... schön für euch.“ Er zwang sich ein Lächeln auf sein Gesicht, auch wenn er den beiden Hurensöhnen auf der Stelle gewünscht hätte, tot umzufallen. Was sollte das? Warum waren die beiden denn jetzt wieder zusammen in einer Band? Hatten sie nicht genug davon gehabt? Wollten sie nicht irgendwie eine Solo Karriere aufziehen? Und jetzt machen die wieder einen auf Band und gehen auf Tournee. Wahrscheinlich nur, um ihm den Finger zu zeigen: „Hier, Payne, du Pappnase. Sieh her! Uns scheint die Sonne aus dem Arsch!“
„Tja, dann, ich geh dann mal. Ich wollte dich nicht vom Autogrammeschreiben abhalten.“ Erklärte Stevie. Erst auf Grund dessen verunsichertem Tonfall fiel Howie auf, dass er wohl mehrere Sekunden mit dem aufgesetztem Grinsen schweigend vor sich hin gestarrt hatte. Das muss auf Stevie wohl etwas verrückt, wenn nicht gruselig gewirkt haben. Verdammt, er brauchte wirklich mal eine ruhige Nacht und einen ganz anständigen Sonntag auf der Couch mit Chips und der Premier League im Fernsehen.
„Entschuldige, Stevie. Ich war in Gedanken. Wo ist denn Luke? Auch her gekommen?“ fragte er und machte sich mittlerweile gar nicht mehr die Mühe, die Resignation in seiner Stimme zu überspielen.
„Nee, du weißt ja. Hat ein bisschen böses Blut zwischen euch gegeben, da hat er lieber was anderes gemacht.“ Erklärte Stevie und lächelte nervös. Böses Blut, dachte Howie bei sich, der ist gut. Wir haben uns vier Tage lang nur über den Weg laufen können, wenn mindestens vier Begleitpersonen dabei waren, die uns davon abhalten konnten, uns gegenseitig zu massakrieren.
„Ja, naja. Vielleicht sehe ich ihn ein andermal. Ich mein, wir sind ja alle erwachsen, und so etwas ist schließlich schnell vergeben und vergessen.“ Und wenn ich ihn erstmal alleine vor die Brust bekomme, dann reiße ich ihm ein für alle Mal die großen, braunen Augen aus! Howie versuchte, ein diabolisches Grinsen zu verstecken.
„Ja, ihr werdet sicher noch mal über die ganze Sache reden und dann wird sich raus stellen, dass eben keiner etwas dafür konnte. Ich meine, hey. So ist das halt in der Liebe.“ Erklärte Stevie „Mal gewinnst du und mal verlierst du. Pech, dass Vera sich ausgerechnet in Luke verguckt hatte, aber wenn du ehrlich bist haben wir es doch die ganze Zeit geahnt. Sie hat sich sowieso nur an dich ran geschmissen, um sich auf längere Distanz Luke zu angeln... Ich find es auf jeden Fall gut, dass du über die Sache hinweg bist!“ Stevie lächelte und es wirkte so widerwärtig aufrichtig, dass Howie das Lächeln nur erwidern konnte. Nichts in der Welt hätte Stevie, dem Ex Schlagzeuger der Stands in diesem Augenblick verraten, dass sich hinter Howie Paynes Stirn nur noch in einer Endlosschleife wiederholte:
„Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um! Ich bring ihn um!“
„Na, okay, Stevie. Dann mach es mal gut, Mann. Man sieht sich ja wahrscheinlich bei Zeiten.“ Brach er nun das Gespräch ab. Er hätte es keine Minute länger mehr ausgehalten. Stevie erinnerte ihn an all das, an das er keinesfalls erinnert werden wollte.
„Klar, Howie, Kumpel. Wir spielen am Donnerstag nächste Woche im Barfly. Wenn du kommen magst...“ er hielt inne. Er mochte nicht der sensibelste Mensch in Liverpool sein, aber er war sich sicher, dass Howie kurz davor stand, die mühevoll aufgesetzte Fassung zu verlieren. Und er wollte auf keinen Fall dabei sein, wenn das passierte. Also hob er lediglich die Hand zum Abschied und machte, dass er aus dem Laden raus kam.
Kaum, dass er verschwunden war, erschien Paul wieder auf der Bildfläche:
„Howie! Der Kerl von Virgin lässt mich nicht gehen! Er hat gesagt, mit der lahmen Ausrede von der Hochzeit der Schwester wärst du heute nachmittag schon hier angekommen! Stimmt das? Hast du dein Zuspätkommen etwa wirklich mit der Ausrede, deine Schwester würde heiraten, entschuldigt?“
„Kann schon sein.“ Howie kämpfte um das letzte bisschen Geduld, was er aufbringen konnte, aber seine Stimme zitterte vor lauter Anstrengung.
Paul hörte darüber hinweg:
„KANN SCHON SEIN? Howie! Du kannst doch nicht- jetzt glaubt der Kerl- und ich- aber... MEINE SCHWESTER HEIRATET HEUTE ABEND WIRKLICH! Und ich muss da jetzt hin, aber der Typ sagt, ich solle keine Scheiße erzählen, die Nummer ziehe bei ihm heute nicht mehr. Was soll ich- ich muss doch...“
„Paul.“
„Wenn ich jetzt nicht gleich hier los komme, dann reißt mir meine Mutter den Arsch auf, weil ich die Hochzeit meiner eignen Schwester verpasse. Und dann- meine Scheiße, ich bin zweiter Trauzeuge! Ich muss zu dieser verfickten Hochzeit, ich...“
„Paul!“
„Oh, Mann. Wie kann man denn nur so BLÖD sein, Howie? Du wusstest genau, dass ich heute Abend zur Hochzeit meiner Schwester müsste und da ist dir keine bessere Ausrede eingefallen, als dass du gerade auch von der Hochzeit deiner Schwester kämest? HAST DU ÜBERHAUPT NE SCHWESTER; MANN?“
„PAUL! Ja. Ich habe zwei. Zwei Schwestern. Aber wenn du jetzt nicht augenblicklich deine Sachen packst, mich in Ruhe lässt und hier verschwindest dann werde ich persönlich dafür Sorge tragen, dass deine Schwester ebenfalls noch eine Schwester bekommt! Nämlich indem ich dir die Eier abreiße und dich zwinge, sie zu fressen, HAST DU DAS KAPIERT; MOLLOY?“
„Ja, aber...“
„VEWRSCHWINDE! Ich wird mich um den Virgin Wichser kümmern. Hau ab!“ Howie schnappte nach Luft. Er wusste, dass sein Kopf im Augenblick hoch rot war und dass die Hauptarterien an seinem Hals hervorgetreten waren.
Er würde jetzt eine Stunde lang Autogramme schreiben, um runter zu kommen und danach braute er einen Drink. Oder besser zwei. Zum Teufel mit der ruhigen Nacht. Er befand sich nun einmal in einer Krise, die nur mittels Alkohol zu lösen war
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09.09.2005 22:55 |
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Jetzt werd ich aber mal rot!
Nee, ich hab nie ein Konzept. Aber ich freu mich über das positive Echo, dann macht es mir gleich viel mehr Spaß.
So, hier folgt der nächste Teil. Hab auch noch mehr in Reserve. Hoffe, die Leserschaft wächst noch. Danke schön!
Nach einer Stunde: „Danke, dass ihr gekommen seid, wir sehen uns demnächst.“ zu den Fans und gefühlten achthundertmillionen Unterschriften auf Plattencovern, Postern oder in Ermangelung irgendeines Erinnerungsstückes auf Gliedmaßen seiner Anhängerschaft, merkte Howie, wie sich der Kater, den er vor dem Auftritt mit drei Excedrine und einem halben Glas Wodka runter gekämpft hatte, wieder zu regen begann. Es war nun schon viertel vor sieben und der Virgin Store schloss allmählich seine Pforten. Howie legte den Kopf vor sich auf den Klapptisch, den der Iron Maiden Mann spontan für die Autogrammstunde aufgetan hatte und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Was war das für ein beschissener Tag? Oder eine Woche? Oder ein Monat? Wie lange ging es ihm jetzt eigentlich schon so mies? Vielleicht, seit Echo Records sie vor die Tür gesetzt hatte oder seit Vera sich lieber von Lukes ach so tollen braunen Augen angaffen ließ? Howie wusste, dass er sich gehen ließ und er wusste auch, dass das unweigerlich zum Untergang seiner Band führen würde. Wer sollte schon das Ruder übernehmen? Graeme Robinson war nicht entschlossen genug. Der Kerl konnte einigermaßen ein Schlagzeug bedienen, aber wenn es darum ging, das Maul aufzumachen, wäre er wohl eher bereit gewesen, seine eigene Zunge zu verschlucken, als etwas sagen zu müssen. Paul Molloy wäre natürlich sofort in allererster Reihe, wenn es darum ginge, Kommandos zu erteilen, aber was wusste der schon? Ein Emporkömmling. Ein billiger Ersatzmann, der hysterisch wurde, sobald mal etwas nicht so lief, wie er es geplant hatte. Und dann Dean. Dean Ravera. Der einzige, der außer Howie noch von der Originalbesetzung der Band geblieben war. Loyal, freundlich, unkompliziert und zufrieden. Aber der hatte auch kein Führungspotential. Erstens war er der Bassist und zweitens war er... strohdumm, um es unbeschönigt dar zu stellen. Außerdem wollte Howie eigentlich gar nicht aufgeben. Was hätte er schon anderes machen können? Seit er vierzehn war, hatte er keine Schule mehr von innen gesehen und hätte ehrlich gesagt auch massive Schwierigkeiten gehabt, eine von außen zu identifizieren. Er hatte keine andere Wahl, außer vielleicht wieder Supermärkte zu beliefern, wie er es früher getan hatte, damals, als seine Eltern mit ihm, seinem Bruder und seinen Schwestern nach New York gezogen waren. Immer hin und her...
Liverpool, New York, Liverpool, New York und wieder Liverpool...
Der Fluss, Mersey, war an den Seiten zugefroren. Eisbrecher kämpften sich lautstark durch die Mitte der tödlich kühlen Fluten. War es schon wieder Winter? Es war so still geworden. Kein Tack-tack-tack der Dieselmotoren, keine Kinder, die sich mit lautem Kreischen gegenseitig ihren Mut beweisen mussten, indem sie soweit sie sich trauten auf die brüchige Eisfläche hinaus rutschten. Einfach nur diese beunruhigende, eiskalte Stille. Er sah sich selber am Ufer des Mersey stehen. Die Hände in den Taschen, der Atem an der kühlen Luft zu weißen Wölkchen kondensierend. Die Stadt war von ihm abgefallen, sein Blick auf das eisverkrustete Wasser gerichtet und sein Kopf war... leer.
Langsam schritt er auf die Eisfläche. Sie war gar nicht rutschig, wie in seiner Kindheit, sondern eher porös, wie Laub bedeckter Waldboden. Er hörte das trockene Knacken, spürte wie sich das Eis unter seinen Füßen spaltete und grünliches Wasser durch die weiße Schicht sickerte. Er sank, bis zu den Knien, dann bis zum Nabel, schließlich bis zu den Schultern. Als das Wasser gleichgültig seinen Kopf umspülte, atmete er tief aus. Blasen stiegen an die Oberfläche, dann war er für immer verschwunden...
„Howie.“
...
„Howie!“
„Was?!“ er schreckte hoch und sah sich panisch um.
„Schon okay. Du bist wohl irgendwie eingepennt.“ Dean sah ihn gerade mit dem Maß an Sorge an, was man sich unter Freunden erlauben konnte.
„Ja, ich muss wohl- war ein übler Tag heute, was?“ Howie rieb sich die Augen und die Stirn. Es pochte genau da, wo er den Kopf auf die Tischplatte aufgelegt hatte.
„Hast ihn ja so gut, wie hinter dir.“ tröstete Dean. Er sprach leise und bewegte sich sehr vorsichtig. Howie bemerkte, wie verunsichert der Bassist wirkte:
„Pass auf, Dean, mach dir keinen Kopf um mich, okay? Ich meine, ich hab im Moment ne kleine Durchhängerphase. Das krieg ich schon wieder auf die Reihe.“
„Ich mein ja nur, Howie. Ist nicht dein Art, irgendwie. So, zu Gigs zu spät zu kommen und dann, naja, so scheiße drauf zu sein. Weißt du, ich meine, keiner macht dir nen Vorwurf, dass wir bei der Plattenfirma raus geflogen sind. Und wir kriegen bestimmt auch wieder einen neuen Vertrag, wenn es das ist.“ Dean zuckte mit den Schultern.
„Ja, schon okay, Dean. Ich meine, danke. Ist nett, dass du, ähm, das sagst.“ Howie war echt nicht in der Stimmung für so ein seltsam sentimentales Gespräch. So, wie er sich im Moment fühlte, lief er nämlich Gefahr, tatsächlich noch in Tränen auszubrechen und diese Peinlichkeit wollte er sich und Dean dann doch ersparen.
„Klar, Mann. Ich mein, wenn was sein sollte, also, ich mein, du weißt ja...“ offenbar war auch Dean nicht Herr der Lage.
„Klar, ich weiß Bescheid. So, dann wollen wir mal nach hause fahren.“ Erlöste Howie sie beide aus der Situation. Dean atmete erleichtert auf:
„Jo. Bist du mit dem Auto hier?“
„Mit dem Corolla von meiner Mutter.“ Erklärte Howie und kramte nach seinen Schlüsseln.
„Kannst du mich mit nehmen? Ich bin mit dem Bus hier und das ist mit dem Bass so Kacke, weil ja um die Uhrzeit jetzt keine Linie mehr durch fährt.“
„Keine Sache, schmeiß dein Zeug auf den Rücksitz. Hier hast du die Schlüssel. Ich komm gleich nach.“ Howie überreichte Dean das Ledermäppchen mit den geborgten Autoschlüsseln und machte sich auf die Suche nach dem Virgin Typen. Dieser stand gerade an der Zentralkasse und machte die Tagesabrechnung.
„So, dann sag mir mal, wie wir das mit der Kohle machen.“ Forderte er den Angestellten auf.
„Mann, bei dem Scheiß, der heute hier gelaufen ist, sollte ich euch gar nix geben...“, motzte der Typ, dann griff er jedoch in die Kasse, holte ein Bündel Pfundnoten heraus, zählte es ab und drückte es Howie in die Hand. Zwölfhundert. Also drei für jeden. Das hieß, vierhundertfünfzig für ihn und zweihundertfünfzig für jeden der Jungs. So war der Deal. Er nahm das Geld, zählte noch mal durch und steckte es ein:
„Besten Dank, bis zum nächsten Mal.“ Verabschiedete er sich.
„Mal im Ernst, Howie. Wenn ihr hier noch mal so nen Scheiß abzieht, dann werden wir euch nicht mehr buchen, klar?“
„Geht klar.“ murmelte Howie und verließ den Laden. Was glaubt der Affe denn, wer er ist?
Draußen stand Dean auf der Beifahrerseite des Corollas und baute sich eine Tüte. Es war zwar deutlich abgekühlt, aber Howie musste das Konfirmations Sakko los werden. Seine Schultern schmerzten von der Enge des Schnitts. Er verstaute den Gitarrenkoffer im Kofferraum und ging um den Wagen herum zu Dean rüber. Sie teilten sich schweigend den Joint und stiegen anschließend ein.
„Ach ja, kannst gleich deine Moneten haben. Der Typ hat bar bezahlt.“ erklärte Howie.
„Das einzig Gute an dem Laden.“ Merkte Dean an.
Howie kramte das Geld aus dem Sakko, was er auf den Rücksitz geschmissen hatte. Erst jetzt bemerkte er wieder, dass ihm trotz der Wirkung des Pot, was er geraucht hatte, alles weh tat. Er zählte die Scheine ab und fügte nach kurzem Zögern fünfzig hinzu. Dean hatte die dreihundert echt verdient. Er war ein guter Kumpel. Der Bassist nahm das Geld, ohne nach zu zählen dankend entgegen und friemelte es sich in die Brusttasche seiner Jeansjacke.
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Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von The Subterranean am 10.09.2005 12:43.
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10.09.2005 12:42 |
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Als er Dean an dessen Wohnung abgesetzt hatte, überlegte Howie für einen Augenblick. Es war erst acht Uhr, also noch genug Zeit, um im Pub vorbei zu schauen, allerdings müsse er vorher den Wagen wieder bei seiner Mutter vor die Haustür stellen und sich anschließend zu seiner Wohnung schleichen, ohne, dass sie etwas davon merke. Dann würde er sich umziehen und trotz der anhaltenden Übelkeit irgend etwas essen müssen. Er hatte den ganzen Tag über außer Kaffee, Hasch und Zigaretten noch nichts zu sich genommen und das würde eine üble Grundbasis für die Drinks sein, die er heute noch zweifelsohne brauchen würde. Außerdem hatte er zu Hause noch Stoff für ein, zwei Fags übrig und auch die würden bei der Bewältigung dieses Scheißtages sicher von Nöten sein. Er lenkte den Wagen also in Richtung Nordstadt, wo seine Eltern zusammen mit seiner jüngeren Schwester wohnten. Gott sei Dank war die Straße, auf der die Wohnung lag leicht abschüssig, so dass er einfach den Motor ausstellen und das letzte Stück bis zur Haustür gefühlvoll rollen lassen konnte. Er fuhr zur Hälfte auf den Bordstein, zog die Handbremse genau auf Höhe des Hauseingangs und öffnete leise die Wagentür. Seine Eltern wohnten auf der dritten Etage und er behielt das Fenster, welches hell erleuchtet war, im Auge. Aber auch als er die Wagentür mit einem kurzen, trockenen Knall zu schmiss, rührte sich nichts. Vermutlich saßen sie jetzt vor den Abendnachrichten und sahen dem Samstagabend Krimi entgegen. Er nahm seine Sachen von der Rückbank, seine Gitarre aus dem Kofferraum und schloss den Wagen ab. Die Schlüssel warf er in den Postkasten seiner Eltern. Bald darauf hatte er das Haus hinter sich gelassen. Von dort aus waren es fünf Blocks zu seiner Wohnung, also ein Fußmarsch von ungefähr zwanzig Minuten, wenn er zügig ging.
Den ganzen Weg über war er in Gedanken. Nichts, was er hätte erfassen können, nichts, was ihn beschäftigt hätte und doch wirbelte es in seinem Kopf nur so von Einfällen, Erinnerungen und Belanglosigkeiten. Die frische Luft tat ihm merklich gut und nach der Hälfte der Strecke stellte sich sogar ein wenig Appetit ein. Er wusste, er hatte noch Zutaten für Sandwiches da und getoastetes Weißbrot mit Tomate und Käse erschien ihm jetzt als verlockende Idee. Vielleicht würde er sogar tatsächlich zu Hause bleiben. Er hatte bestimmt noch ein Bier im Kühlschrank und eigentlich legte er keinen besonderen Wert darauf, an diesem Abend unter Leute zu kommen. Anmerkungen, wie beschissen er im Moment aussähe, hatte er in der letzten Zeit genügende eingesteckt. Und nach Mädels Aufreißen war ihm auch nicht zu Mute. Vermutlich würde er auf dem Sofa über das Ende des Samstagabend Krimis einnicken und sich dann irgendwann ins Bett schleppen und die Runde ruhigen, normalen Schlafes abgreifen, die er in den letzten Wochen so schmerzlich vermisst hatte. Es waren nicht mehr ganz zwei Blocks zu laufen.
Dann plötzlich ging alles ganz schnell. So schnell, dass er zunächst gar nicht realisieren konnte, was passiert war. Das Gras wirkte noch nach und machte ihn etwas langsamer. Er hörte den Koffer mit der Gitarre auf den Boden knallen, sah die Schatten, die auf ihn zustürzten. Sein Herz klopfte unnatürlich wild. Ein Trip! Ich hab nen Trip. Was für’ne Scheiße hab ich denn da mit Dean gequalmt? Dann erst merkte er, dass er auf den Knien war, dass irgend etwas Hartes ihn ins Gesicht getroffen hatte. Er klammerte sich an das letzte bisschen Orientierung, was ihm geblieben war: Der Mond. Der Mond stand am Himmel über ihm. Er war da. Solange der Mond da war, war alles in Ordnung. Der Mond. Der Mond...
Der erste Schrecken war vorüber. Jetzt stieg nur noch dieses atemlose Gefühl von Hilflosigkeit in ihm auf. Es war nicht einmal Angst. Angst hatte man, wenn man nicht wusste, was auf einen zu kam und er wusste es. Irgendwie. Ihm war klar, es würde nur Energieverschwendung bedeuten, zu schreien oder sich wehren zu wollen. Er war alleine und sie waren- er wusste es nicht einmal. Er hatte es akzeptiert und hing nun fest im Griff der beiden Männer, die er nicht sah. Sie hatten ihn links und rechts am Arm gepackt, einer hielt ihn am Haarschopf und hatte seinen Kopf nach hinten gerissen. Es fiel ihm schwer, zu schlucken und er spürte, wie ihm vom ersten, unerwarteten Schlag der Wangenknochen schmerzte. Seine Unterlippe war am linken Mundwinkel aufgeplatzt und ihm lief warmes Blut in den Mund. Es war eine Weile vergangen in der die Männer in irgendeiner Sprache, die er nicht verstand, miteinander debattiert hatten. Zumindest hatte es wie Debattieren geklungen, Doch nun war es still und er befürchtete einen weiteren Schlag. Wie erwartet traf ihn sogleich die Spitze eines Stiefels in die Magengrube und er konnte nicht dagegen an, sich nach vorne zu krümmen. Sofort wurde er an den Haaren nach hinten gerissen, eine Faust traf sein Kinn und der Kiefer knackte bedenklich. Er hatte die Zunge zwischen den Zähnen gehabt und spürte nun noch mehr Blut in seinen Mund quellen. Allmählich begann er zu würgen und spuckte aus. Sein Gegenüber deutete dies offenbar als Beleidigung und schlug noch einmal zu. Diesmal krachte es wirklich und ein unbarmherziger Schmerz breitete sich vom Unterkiefer in die Schläfen aus. Er kämpfte die Tränen und eine aufsteigende Übelkeit zurück, aber ein weitere Tritt traf ihn in die Unterleibsgegend und er konnte nicht nach Luft ringen, weil ein heftiger Schlag, vielmehr eine Reihe heftiger Schläge, seinen Brustkorb trafen. Er hustete hilflos, rang nach Atem. Sein Kopf wurde losgelassen, nur um im nächsten Augenblick mit Wucht zurückgeschlagen zu werden. Bis dahin hatte er sich noch gefragt, warum, aber nun war seine ganze Konzentration auf den Mond gerichtet. Nur nicht den Mond aus den Augen verlieren, dann wird dir nichts passieren. Es war seltsam tröstlich, sich das einzureden. Sein Gegenüber hatte nun sämtliche Hemmungen verloren und schlug und trat unaufhörlich auf ihn ein, fluchte dabei wütend und wütender. Howie konnte seinen schmerzenden, schweren Kopf nicht mehr oben halten, kämpfte sein Gesicht immer wieder hoch, zum Himmel gerichtet, um seinen Fixstern zu suchen. Abwärts seiner Schultern hatte sich ebenfalls ein anhaltender, lähmender Schmerz eingestellt. Er wusste, dass er noch bei Bewusstsein war, weil er fühlte, wenn eine offene, blutige Stelle getroffen wurde und sich ein heißer, stechender Schmerz ausbreitete. Er hatte sich mittlerweile übergeben, sein T-Shirt zeigt, soweit er es noch durch seine zu schwellenden Augen erkennen konnte eine Mustermischung aus Erbrochenem um Blut. Er hatte alles Zeitgefühl verloren, als er die Männer wieder miteinander reden hörte. Er nahm alle Konzentration zusammen, bewegte seine aufgerissenen Lippen auseinander und sagte verzweifelt: „Ich kann... den Mond... sehen.“ Der nächste Schlag löschte alle Lichter.
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10.09.2005 12:43 |
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Er schlug die Augen auf. Kein Traum, aus dem er erwachte, kein Schrecken. Er war einfach wieder da und wusste, er musste sich vorher in tiefer Bewusstlosigkeit befunden haben. Er lag anscheinend in einem Bett und alles um ihn herum war weiß, also war er in einem Krankenhaus. Er hätte nicht sagen können, wie lange er weg getreten gewesen sei, aber seine Augen schienen genug Zeit gehabt zu haben, um einmal komplett an und wieder ab zu schwellen, denn er konnte einigermaßen problemlos sehen. Was er jedoch nicht konnte, war, sich bewegen, was ihm dann doch eher Bedenken bereitete. Er spürte auch keine Schmerzen mehr.
Sein Puls beschleunigte sich, er kniff einige Male die Augen zusammen und riss sie dann wieder auf, um sicher zu stellen, dass er wirklich wach war. Aber es gab keinen Zweifel. Er war wach, hellwach. Lieber Gott, ich will nicht gelähmt sein. Bitte, bitte. Nicht gelähmt. Allmählich drang ein Geräusch an sein Ohr, ein unregelmäßiges, schnelles, hohes Piepen, welches sich als der Signalton seines Herzmonitors herausstellte. Dann nahm er einen Mann wahr, der einen weißen Kittel trug und mit Frauenstimme redete: „Mr. Payne, können Sie mich verstehen? Mr. Payne?“ Es kostete ihn alles an Kraft, um zu formulieren:
„Wieso... ham Sie ne Frauenstimme?“
„Weil ich eine Frau bin, Mr. Payne.“
Er blinzelte erneut und tatsächlich erkannte er nun eine Krankenschwester, wenngleich auch eine mit sehr herben Gesichtszügen. Sie sprach weiter zu ihm:
„Sagen Sie, können Sie mir Ihren vollen Namen nennen?“
„James... Howard... M-m-ayne.“ antwortete er mühevoll und stellte unglücklich fest, dass er kein „P“ über die Lippen brachte.
„Gut. Wissen Sie, wo Sie sind?“
„Kranken-haus?“ sein Kiefer ließ sich nicht bewegen, weshalb er die Laute nur durch den Mund artikulieren konnte.
„Sie sind in der Sefton General Klinik. Wissen Sie, in welcher Stadt das liegt, Mr. Payne?“
„Liver-m-m-ool.“ Er merkte, wie er allmählich schon wieder müde wurde und kämpfte dagegen an, dass ihm die Augen wieder zu fielen.
„Liverpool ist richtig, Mr. Payne. Das ist sehr gut. Ruhen Sie sich jetzt noch ein wenig aus, in Ordnung?“ die Schwester wandte sich zum Gehen.
„Moment!“ bat Howie.
„Ja, was ist denn?“ fragte die Schwester geduldig und freundlich.
„Ich kann... mich nich... m-m-mewegen.“ Aha. „B“ klappte offenbar auch nicht.
„Ja, das ist auch richtig so. Sie sind im Bett fixiert und bekommen sehr starke Medikamente gegen die Schmerzen. Es wird noch einige Tage dauern, bis Sie sich wieder bewegen dürfen.“ Erklärte die Schwester und verließ anschließend das Zimmer.
Einige Tage? Howie spürte, wie sich alles in seinem Kopf drehte. Das hieß, er könne nicht auf die Toilette gehen. Das wiederum hieß... Na, aller bestens. Ich bin ein stammelnder, brabbelnder Krüppel auf verschreibungspflichtiger Droge mit nem Katheter im Arsch und...im... darüber schlief er wieder ein.
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10.09.2005 19:07 |
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@ Felo: Ja, kann sein.
Er wachte in seinem eigenen Bett auf, durch sein Fenster schien die späte Sonne und der Wind trug den sonderbaren Duft der Stadt in sein Zimmer. Jeder der das erste Mal nach Liverpool kam, bemerkte sofort, was in der Luft lag. Salziges Wasser von der Küste, süßes Wasser vom Fluss, Treibstoff der Schiffe und Eisenbahnen und etwas undefinierbares, leichtes, verführerisches… Die Alten, vielleicht die Generation seiner Großeltern oder noch älter, behaupteten, es sei das Fernweh, was man in Liverpool riechen könnte. Der Wunsch, die Welt zu sehen. Howie hatte schon viel von der Welt gesehen. Als die Sache mit der Band los gegangen war, als sie noch die Lieblinge der Musikpresse und der großen Musiker der Branche waren, da waren sie in Australien gewesen, in Amerika, Asien und Festland Europa. Vorgruppe von Oasis… Weller… Jet…
Als er sich, zu seiner großen Erleichterung mühelos im Bett aufrichtete, bemerkte er, dass er nicht alleine in der Wohnung war. Seine Schlafzimmertür war nur angelehnt und er konnte jemanden über den Flur kommen hören. Vera…?
Sie trat in das Zimmer, gekleidet in einen nachtblauen Kimono, der ihre blasse Haut weiß und zart wie Porzellan erscheinen ließ. Das schwarze Haar trug sie offen und es fiel ihr glatt über die Schultern.
„Du bist zurück. Gott sei Dank. Du bist zurück.“ Stammelte er, als sie auf ihn zu kam.
„Ich hätte dich niemals alleine lassen sollen, mein Herz.“ Flüsterte sie und ihre Augen glänzten feucht. Sie kam zu ihm auf das Bett und kniete sich neben ihn.
„Hast du mich gesund gepflegt?“ fragte er und zögerte es noch einen wunderbaren, gespannten Moment hinaus, ihre seidigen Haare zu berühren.
Anstatt zu antworten, streifte sie sich den Kimono von den Schultern und kam näher. Er konnte ihre perfekte Haut spüren, ihre Lippen an seinem Hals. Der Kontrast ihrer weißen Haut und ihrer schwarzen Haare erregte ihn. „Oh, Vera…“ Er tastete nach ihrer Taille, fand die Rundungen ihres Körpers, berauschte sich an ihrer tadellosen Weiblichkeit. Sie ließ ihn einen süßen Kuss kosten, dann löste sie sich von ihm, suchte ihren Weg zärtlich mit Lippen und Zunge an ihm herab. Sein Ohr, sein Hals, sein Schlüsselbein, seine Brust, sein Nabel…
„Oh Scheiße, Howie! Was ist das?“
Er schreckte auf. Vera hatte die Decke weg gezogen und starrte entsetzt zwischen seine Beine. Plötzlich fühlte er Schmerzen. Was um Himmels Willen war denn los? Und warum war jetzt plötzlich auch Luke im Zimmer?
Vera hüllte sich hastig in ihren Kimono und floh aus dem Bett zu dem Mann, an den Howie sie schon einmal verloren hatte.
Luke grinste sein ihm eigenes schiefes Grinsen. Irrte sich Howie oder sah er plötzlich jünger aus? Oder war er selber etwas plötzlich gealtert? Er fühlte sich greisenhaft und war doch nur ein oder zwei Jahre älter, als Luke.
„Na, Payne, dir hätte klar sein müssen, dass du sie nicht haben kannst, wenn du noch nen Schlauch für deine Pisse da unten drin hast.“ Bemerkte der blonde Gitarrist und legte seinen Arm mit sichtlicher Genugtuung um Vera.
„Wie kommst du in meine Wohnung? Wieso bist du hier?“ Howie fühlte sich hilflos, zog die Decke wieder über sich drüber, um das Unglück zu verstecken.
Luke lachte spöttisch und verschwand mit Vera im Arm aus dem Zimmer. Howie wollte ihm folgen, wollte ihn zur Rede stellen, aber er war von tiefer Scham und Enttäuschung gelähmt. Plötzlich war es dunkel im Zimmer…
Er konnte nichts mehr sehen, so sehr er auch die Augen aufriss. Für einen kurzen, verzweifelten Moment stellte er sich vor, nun auch noch erblindet zu sein, aber als er langsam Umrisse von einem Fenster zu seiner rechten Seite erkennen konnte, wurde ihm klar, dass es lediglich Nacht geworden war. Mit der Zeit nahmen auch andere Dinge in seiner Sichtweite Gestalt an. Ein vergittertes Bett, Lämpchen, die nun im Kontrast zur Dunkelheit immer deutlicher glühten. Er musste noch immer im Krankenhaus sein. Ein Traum. Ein Alptraum. Und er war vorüber. Aber bewegen konnte er sich immer noch nicht.
Er horchte angestrengt in die Dunkelheit hinein. Atmete da noch jemand? Hatte er einen Zimmernachbarn? Außer einem leisen, regelmäßigen Ticken, wie von einer sehr lauten Armbanduhr, konnte er kein Geräusch aus machen. Augenblicklich überkam ihn ein überwältigendes Gefühl der Einsamkeit.
„Reiß dich zusammen, Arschloch. Jetzt ist die Zeit, ü-er einige Dinge nachzudenken.“ Flüsterte er, als er merkte, dass das hohle Gefühl in der Gegend zwischen seinem Magen und seinem Herz, ihm in die Augen stieg und sich dort bedrohlich zu einer Woge Tränen sammelte.
„Du tust dir doch nur leid, Weichling. Du…“ er unterdrückte ein Aufschluchzen und schluckte.
„Und hör verdammt noch mal auf, mit dir sel-er zu reden, elender Schizo!“ jetzt konnte er Luft holen und sich wieder beruhigen.
Er war nun so wach, wie er es wohl schon seit einiger Zeit nicht mehr gewesen sein konnte. Nur sein Körpergefühl fehlte ihm noch völlig. Er befand sich in der Horizontalen, soviel stand fest. Er spürte ein Pflaster an seiner Stirn, wenn er die Augenbrauen vorsichtig hoch zog und ein weiteres, wenn er versuchte, die Nase zu rümpfen, was aber augenblicklich zu quälenden Schmerzen führte. Mit der Zunge konnte er an seiner Lippe Nähte und verkrustete Stellen fühlen. Und irgend etwas hielt seinen Unterkiefer fest. Sein Kinn lag auf einer dicken Stoffschicht auf. Ein Verband? Eine Halskrause? Vermutlich Zweiteres, denn nun spürte er, dass sich sein Hals viel wärmer anfühlte, als sein Gesicht. Er konzentrierte sich auf den Rest seines Oberkörpers, konnte aber den Rumpf kaum spüren. Er merkte, dass er auf der Matratze auflag, aber sonst war sein Körper von den Schultern bis zum Nabel totes Gebiet. Er konnte jedoch seine Hände spüren. Sie fühlten sich zwar an, als wären sie in riesige Fäustlinge, oder eher noch in diese Kochlappenhandschuhe, die seine Mutter immer trug, wenn sie Kuchen- und Auflaufformen aus dem Ofen holte, gesteckt worden. Er nahm kaum einzelne Finger war, nur eine teigige Masse, die er aber mit aller Konzentration und Anstrengung sogar ein bisschen bewegen konnte. Auf und zu, auf und zu und wieder auf. Links, rechts. Es beruhigte ihn ein bisschen, etwas gefunden zu haben, über das er Kontrolle hatte und er probierte es einige Male, bis es ihm zu anstrengend wurde. Als er sich gerade dem Bereich vom Nabel an abwärts widmen wollte, nahm er wahr, wie die Tür geöffnet wurde. Zuerst ein schmaler Lichtstreifen vom Flur, ein breiterer, dann kam eine Person herein.
„Mr. Payne?“ flüsterte die Person. Diesmal war es wirklich ein Mann.
„Ja?“ gab er müde zurück.
„Sie hatten den Notfallknopf betätigt?“ fragte der Krankenpfleger.
„Nein…“ antwortete Howie betreten. Dann überlegte er einen Augenblick:
„Ist das…Ding, also, der Kno-f … in meiner Hand?“ Jetzt wusste er immerhin auch, dass er die „P“ laute nicht konnte, weil seine Unterlippe an zwei Stellen genäht war.
„Ja.“ Bestätigte der Krankenpfleger „In Ihrer rechten Hand.“
„Dann muss ich da dran gekommen sein…“ er musste eine kurze Pause machen, weil sein Kiefer schmerzte „…als ich m-mromiert… ich habe mro-mromiert… schuldigung,… ich kann das noch nich…“
„Das macht doch nichts. Sie sind auf jeden Fall zufällig an den Knopf gekommen, richtig?“ fragte der Pfleger im gleichen, freundlichen Tonfall, wie die Schwester mit den maskulinen Gesichtszügen die er am Tag kennen gelernt hatte.
„Ja.“ Antwortete er dankbar, nicht mehr erklären zu müssen.
„Wenn ich denn einmal hier bin, fällt Ihnen vielleicht etwas ein, was ich tun kann?“ der Krankenpfleger prüfte eifrig einige der Beutel, die über Schläuche mit Howies Körper verbunden waren und offenbar entweder Sachen, die in ihn rein oder aus ihm raus kamen, enthielten.
„Können Sie mir… sagen, … was ich denn ha-me, also, was mir fehlt?“ fragte Howie. Er wusste, dass er überfallen worden war, auch wenn er daran gar nicht denken wollte, aber er hatte keine Ahnung, was diese fremden Typen denn mit ihm angerichtet hatten.
„Ich schätze, es wird auf jeden Fall nötig sein, dass Sie noch mal mit dem Doktor reden, aber so wie es im Moment aussieht, haben Sie eine Fraktur im Unterkiefer, sowie im Nasenbein. Es gibt auch einige Rippenbrüche. Und ihr kleiner Finger der linken Hand ist zweimal gebrochen. Offenbar haben Sie außerdem ein Schleudertrauma und eine Gehirnerschütterung erlitten und dann noch ein par böse Blessuren um Gesicht und Prellungen und Quetschungen im Bereich des Oberkörpers, der Oberschenkel und…da, ja.“
„Und… „wo, ja“?“ hakte Howie nach. Der peinlich berührte Ton des Pflegers gefiel ihm nicht.
„Sie sollten, wie gesagt noch mal mit dem Doktor sprechen.“
Howie seufzte: „Okay, machen wir’s kurz:… Hat’s meine… Ausrüstung unten erwischt?“
„Ja. Die auch.“ Erklärte der Pfleger kurz angebunden.
„Ist es nur, weil es Ihnen m-meinlich…äh… unangenehm ist, darü-er zu s-rechen oder ist es so… schlimm, dass Sie mich… schonen wollen.“ Howie merkte, er konnte nicht mehr lange diskutieren. Auf welches Mittelchen die ihn auch immer gesetzt haben mochten, die Dosis reichte nicht aus, um den Schmerz in seinem Kiefer bei der Belastung längeren Sprechens zu unterdrücken. Er war also nicht nur ein verkabelter, mit Schläuchen gespickter Krüppel, er war nun auch noch zum Schweigen verurteilt.
„Das wird mit der Zeit wieder, Mr. Payne. Versuchen Sie, noch etwas zu schlafen.“ Der Pfleger verstellte zwei Rädchen an einer Apparatur hinter dem Bett, die mit einer großen Diffusionsspritze und einem weiteren Gummiröhrchen irgendwo unter der Bettdecke mit Howies Arm verkoppelt war.
Howie wollte gerade noch protestieren, er sei hellwach und habe genug geschlafen, da merkte er allerdings bereits, wie zunächst der Schmerz gelindert wurde und dann fast zugleich eine bleierne Müdigkeit ihn überkam. Das Zeug muss illegal sein…dachte er noch, bevor er in einen tiefen, traumlosen Schlaf sank.
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11.09.2005 14:05 |
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Das nächste Mal wurde er wieder im Hellen wach. Wie die Male davor, brauchte er erst wieder einige Augenblicke, um sich zu orientieren.
„So gut möchte ich es mal haben, Mann. Den lieben langen Tag pennen und dann auch noch von ner heißen Ische in Schwesterntracht mit’m Schwamm gewaschen werden. Alter, was’n Leben.“ Hörte er neben sich. Er konnte den Kopf nicht soweit drehen, aber er hatte bereits erkannt, dass sein Bruder im Zimmer sein musste.
„Hey, Sean.“ Begrüßte er ihn ergeben.
„Tach, Mann.“ Sein Bruder nahm auf einem Stuhl, der neben dem Bett stand, Platz.
„Wie geht’s so?“ fragte Howie, weil ihm nichts besseres einfiel.
„Verdammte Scheiße, Howie. Du hast uns einen Heidenschrecken eingejagt! Weißt du, wie lange du die Augen nicht aufgemacht hast, als sie dich her gebracht haben?“ ignorierte Sean die Frage.
Howie wusste es nicht.
„Vier Tage, Mann. Du warst vier Tage irgendwo in Shangri La, nicht mehr wieder zu holen. Und wir haben hier rum gehockt und uns in die Hosen geschissen, echt. Mutter hat jetzt endgültig den Knacks weg, den wir ihr schon seit Jahren nach sagen. Sie hatte gemeint, dass die Ärzte alle Geräte ausstellen sollten, wenn dein Hirn nicht mehr leben würde. Alter, so ein Scheiß.“ Sean schüttelte den Kopf.
„Als o- mein Hirn je gele-t hätte.“ Versuchte Howie zu scherzen.
„Das ist echt nicht lustig, Howie. Ich mein, klasse, dass du wieder einigermaßen auf’m Weg der Besserung bist, aber, echt, wir haben hier nur die Panik geschoben. Die Ärzte kamen schon mit Schädel Hirn Trauma und allem möglichen Scheiß, was soll man denn da denken?“
Seans Ton klang so vorwurfsvoll, dass Howie das Bedürfnis unterdrücken musste, sich zu entschuldigen. Für den Augenblick konnte er gar nichts sagen und so herrschte Schweigen zwischen ihnen, wie in der Zeit davor schon so oft.
Früher waren sie sich einmal wirklich nahe gewesen. Sie hatten zusammen in einer Band gespielt. Vor drei oder vier Jahren. The Big Kids. Zusammen mit dem großen Edgar Summertyme und Russel Prittchard am Bass. Er selber an der Gitarre, Sean am Schlagzeug. Es hatte immer Verwechselungen gegeben, denn obwohl Sean jünger war und eher so aussah, wie Howie ausgesehen hätte, wenn er sich in die Länge hätte ziehen lassen, hatten ihre vollzeitbekifften Kumpels es nicht drauf gehabt, sie auseinander zu halten. Er und Sean hatten gleiche Gesichtszüge und eine nahezu identische Augenpartie, verwaschen blaugrün, sowie beide die dichten, drahtigen, braunen Locken, die sie ihrer Mutter zu verdanken hatten. Nur war Sean ungefähr einen halben Kopf größer als Howie und wog dafür zehn Kilo weniger. Schon mit 13 Jahren war Sean so groß gewesen, wie Howie mit 20. Und trotz der sieben Jahre Altersunterschied waren sie immer ziemlich gut miteinander ausgekommen. Dann war Sean mit Russel zusammen zu den Zutons gegangen und die Big Kids hatten es nicht gepackt. Howie hatte es seinem Bruder nie verzeihen können, dass dieser mit den Zutons schon lokale Erfolge hatte feiern können, als er selber noch auf der Suche nach Musikern für eine neue Band gewesen war. Plötzlich hatte Sean so viel mehr gehabt, als er. Eine gute Band, regelmäßige Auftritte, einen Plattenvertrag und die süße Saxophonistin der Zutons, Abi Harding, um die sich alle Typen rissen, zur Freundin. Als Howie selber mit den Stands erste Erfolge verbuchen konnte, verbesserte sich das Verhältnis zu Sean wieder, aber nach den Rückschlägen der letzten Zeit war er ihm eigentlich lieber aus dem Weg gegangen. Insbesondere, weil die Zutons immer noch so großartig funktionierten. Und Abi immer noch in Sean verliebt war.
„Sind Ma und Dad auch hier?“ fragte Howie nach einer Weile.
„Die hast du verschlafen. Sind schon wieder weg. Aber Jenny sitzt draußen. Und Dean.“ Erklärte Sean.
Howie horchte auf: „Jenny und Dean? Du hast unsere kleine Schwester… draußen alleine mit Dean…?“ er konnte nicht so schnell sprechen, wie er wollte. Es ging einfach nicht!
„Halt die Luft an, Howie, Mann. Er wird sie wohl nicht gerade draußen auf dem Flur schwängern, okay?“ versuchte Sean, ihn zu beruhigen.
„Sean, du weißt, dass… Dean hinter Jenny her ist. Der würde sie… wohl noch hinter deinem Rücken…, ich meine mmmm- ich kann das nicht sagen. Du weißt schon.“
Sean grinste breit: „Hey, Bruderherz. Sag mal ‚Howie Payne poppt Puppen’!“
„Fick dich, Arschloch!“
„Schon gut. Kann ich sonst noch was für sich tun?“ fragte Sean, immer noch mit den Resten des Grinsens im Gesicht.
„Nee, Mann. Nachher geht’s mir nur noch schlechter.“ Versetzte Howie sauer.
„Sorry, echt. Das ist wirklich eine Riesenscheiße, Mann. Aber du kannst froh sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist.“ Sean wurde wieder ernst „Als sie dich eingeliefert haben, haben wir echt gedacht, du bist weg von der Bildfläche.“
Howie schwieg. Er war überfallen und verprügelt worden. Soviel stand fest. Und danach? Er hatte sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, wie er ins Krankenhaus gekommen war, geschweige denn, was überhaupt geschehen war, nachdem er das Bewusstsein verloren hatte. Er sah Sean ratlos an.
„Das war so’ne Sache, sag ich dir, Mann.“ Fuhr sein Bruder ungefragt fort. Manchmal klappte es zwischen ihnen auch ohne Worte. „Ich bin am Samstag noch mit Russel und Abi unterwegs gewesen und als wir nach Hause gekommen sind, hat schon der Anrufbeantworter geblinkt. Ich bin ins Bad, weil ich gedacht hab, weißte, ist eh nur eine von Abis bekloppten Freundinnen, aber dann kam Abi rein und meinte „Ruf mal deine Mutter an.“ Und ich schon voll in Panik, hab gedacht, es wär irgendwas mit Dad oder was. Und ich angerufen- ja, hatte Jenny dran, die meinte, Ma und Dad im Krankenhaus, wegen dir. Und ich denk, Scheiße, wenn die mitten in der Nacht ins Sefton gefahren sind, dann ist die Kacke am dampfen. Ich also wieder los, mit’m Taxi ins Sefton, musste da erst mal gucken, wo ihr überhaupt wart. Und dann hat mir ne Schwester, oder was, gesagt, welcher Raum und ich da also hin.“
Howie bemerkte, wie die Ausführungen seines Bruders immer diffuser wurden. Oder vielleicht war es auch nur wieder sein eigener Kopf, jedenfalls fiel es ihm zunehmend schwerer, den Schilderungen zu folgen:
„Sorry, aber mach langsamer, Sean… Ich krieg das alles nicht so… schnell auf die Reihe.“
„Klar, Mann. Sorry. Also, wo war ich?“
„Du hast das Zimmer gefunden, im Krankenhaus.“ Half Howie.
„Genau. Und da hab ich erst mal voll den Schrecken bekommen, weil das Erste, was ich sehe, sind Bullen und Ma ist voll am heulen und so. Ich hab echt sonst was gedacht! Und dann bin ich zu Ma und Dad und hab gefragt, was denn sei. Ja, meinten die, du wärst wohl überfallen worden und man hätte dich zusammengeschlagen und du würdest nicht aufwachen…“
„Ham sie gesagt…wer mich gefunden hat?“ unterbrach Howie.
„Ja, irgend so’ne Frau, die mit dem Hund spazieren war. Hat dich gefunden und dann über Handy die Bullen angerufen.“
Das war ja denkbar wenig Information. Er hatte also zufällig, zu seinem Glück auf der Gassistrecke von irgend einer Tante und deren Köter gelegen. „Oh, Mann. Ich hätte den Blödsinn mit dem Auto lassen sollen. Wenn ich die Wagenschlüssel ganz normal bei Ma und Dad abgegeben hätte, dann hätte Ma darauf bestanden, mir ein Taxi nach hause zu bezahlen und schon hätte ich den ganzen Ärger nicht gehabt.“ Da fiel ihm plötzlich etwas ein.
„Sean, ich hatte… meine Martin da-ei.“
„Wen?“
„Meine Gitarre… die akustische 68er Martin.“ Erklärte er.
„War das ne teure Gitarre?“ fragte Sean und verzog das Gesicht.
Howie schluckte: „Ja. Und meine Lie-lingsgitarre.“ antwortete er traurig.
„Aus der haben diese Hurensöhne Kleinholz gemacht. Aber Kopf hoch, du bekommst ne neue. Ganz sicher. Und ich wette diesen Bastarden wird noch ordentlich der Arsch aufgerissen… Howie?“ Sean suchte den Blick seines Bruders.
„Es war meine Lie-lingsgitarre.“ Wiederholte dieser traurig.
„Das tut mir leid, echt.“ Meinte Sean. Er hätte Howie wohl gerne auf die Schulter geklopft, aber er hatte keine Ahnung, ob ihm das weh tun würde.
„Und das Geld ist auch weg?“ Howie machte sich erst gar keine Hoffnungen mehr. Natürlich hatten sie das Geld genommen. Warum wurde man sonst überfallen?
„Also die Bullen haben neunhundert in deinem Konfirmationsfummel gefunden. Sag mal, warum hattest du den eigentlich dabei?“
Howie ignorierte die Frage: „Neunhundert -fund? Das ganz… Geld ist noch da?“ Er wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Einerseits war er froh, dass das Geld nicht weg war, er schuldete immerhin noch zwei seiner Bandkollegen die Gage. Andererseits warf das jetzt die Frage auf: Weshalb hatte man ihn überfallen und so brutal zusammengeschlagen, wenn nicht des Geldes wegen?
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11.09.2005 14:05 |
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